Experten aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen diskutierten in Bregenz über eines der kontroversiellsten Themen der unternehmerischen Praxis

Bregenz, am 20. November 2013 – Die Fragen, wie sich verantwortungsbewusstes Wirtschaften und Gewinnstreben vereinbaren lassen und inwieweit es legitim ist, aus nachhaltigem Handeln wirtschaftliche Erfolge zu erzielen, bildeten die thematischen Schwerpunkte des traditionellen Impulsforums ibet, das heute im Bregenzer Festspielhaus stattfand. Ein gemeinsamer Nenner, der sich aus den Expertenvorträgen und Diskussionen mit den über 100 Teilnehmern herausbildete, war die These, dass erfolgreiches nachhaltiges Handeln keine „Entweder-oder-Entscheidung“ mehr sein darf, sondern gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert verbinden muss.

Auf die Bedeutung konkreter politischer Nachhaltigkeitsstrategien wies Landesstatthalter und Wirtschaftslandesrat Mag. Karlheinz Rüdisser hin, schränkte aber gleichzeitig ein, dass in diesem Bereich das Maß an gesetzlichen Regulierungen bereits erreicht, teilweise sogar überzogen sei. Nachhaltigkeit, die aus Flexibilität und unternehmerischen Freiräumen entstehe, führe langfristig zu positiveren Effekten als eine per Gesetz verordnete. Die Bedeutung aller drei Säulen der Nachhaltigkeit, nämlich Ökologie, Ökonomie und Soziales, betonte Dr. Helmut Steurer, Direktor der Vorarlberger Wirtschaftskammer. Gerade dem sozialen Bereich komme in den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Kammer besondere Bedeutung zu, was sich daran zeige, dass der größte Teil des Budgets in die zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern der Betriebe fließe.

Gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert verbinden
Wie gesellschaftliche Verantwortung im Sinne der Nachhaltigkeit als Managementansatz in die klassische Betriebswirtschaftslehre integriert werden sollte, zeigte Dr. René Schmidpeter, wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für humane Marktwirtschaft in Salzburg, auf. Unternehmen müssten das Thema als Chance begreifen und aktiv in die Hand nehmen, anstatt vergeblich auf brauchbare Vorgaben der Politik zu warten. Dann könne Nachhaltigkeit zu einem Erfolgsmodell werden, insbesondere wenn es gelinge, den Mehrwert für Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam zu steigern. Wie eine Nachhaltigkeitsstrategie in der Praxis konkret aussehen kann, verdeutlichte Mag. Tanja Dietrich-Hübner, Leiterin der Stabstelle Nachhaltigkeit der REWE International AG, am Beispiel des österreichischen Marktführers im Lebensmitteleinzel- und Drogeriefachhandel. Die meiste Arbeit, so Dietrich-Hübner, müsse dabei in die Überzeugungsarbeit und Bewusstseinsbildung bei den Konsumenten gesteckt werden, da gerade der Lebensmittelhandel ein sehr preissensibler Markt sei. Die Umsatzentwicklung belege jedoch, dass immer mehr Konsumenten bereit seien, angemessene Preise für nachhaltige Produkte zu bezahlen, anstatt ausschließlich nach dem niedrigsten Preis zu entscheiden.

Praxisnahe Diskussion über Branchengrenzen hinaus
Ganz in der Tradition der ibet stand auch in diesem Jahr nicht der akademische Diskurs im Mittelpunkt, sondern die praxisnahe Diskussion zwischen Experten aus sehr unterschiedlichen Branchen. Im Laufe des Nachmittags widmete sich Dr. Johannes Ortner, Vorstand der Raiffeisenlandesbank Vorarlberg, der nicht nur seit der Finanzkrise heiß diskutierten Frage, ob zwischen Nachhaltigkeit und Banken ein Widerspruch besteht und plädierte dabei für eine Rückkehr zu den Kernfunktionen und Grundwerten einer Bank. Ortner wies insbesondere darauf hin, dass „Bank nicht gleich Bank“ sei und es für eine Beurteilung entscheidend sei, sich die unterschiedlichen Geschäftsmodelle von Banken genau anzusehen.

Konkrete Beispiele aus der unternehmerischen Praxis präsentierte auch DI Herbert Schlossnikl, Vorstand der Vöslauer Mineralwasser AG und Vorstandsmitglied von respACT, Österreichs führender Unternehmensplattform für Corporate Social Responsibility und Nachhaltige Entwicklung. Schlossnikl zeigte dabei unter anderem die Optimierung der Lieferkette und des Recyclings im PET-Kreislauf, in die auch das Vorarlberger Unternehmen ALPLA eingebunden ist. Astrid Kühn-Ulrich, Leiterin der Stabstelle Nachhaltigkeit der Zumtobel Gruppe, illustrierte die Erfahrungen eines global agierenden Unternehmens, Mag. Gerald Fitz, Vorstand der Haberkorn Holding AG, verdeutlichte die Auswirkungen der Nachhaltigkeit auf Unternehmenskultur und Kernprozesse.

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