Leitbild für gemeinsames Verständnis zur Raumnutzung notwendig
Auf dem Impulsforum ibet diskutierten Experten, wie die Raumplanung novelliert und die Bevölkerung dabei eingebunden werden muss, um den Lebens- und Wirtschaftsraum Vorarlberg gemeinsam weiterentwickeln zu können.

Bregenz, 1. Juni 2017 – Knapp und teuer: Raum und Boden stehen in Vorarlberg kaum zur Verfügung. Bei der Nutzung dieser begrenzten Ressourcen treffen stark divergierende Ansprüche von Landwirtschaft, Wirtschaft und Naturschutz aufeinander. Damit sich das Ländle weiter als attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum entwickeln kann, ist dringend ein gemeinsames Verständnis zur Raumplanung und Raumnutzung gefragt. Mit dieser Herausforderung, wie der Wirtschaftsstandort und Lebensraum Vorarlberg unter einen Hut passen, setzten sich heute zahlreiche Experten aus dem In- und Ausland beim Impulsforum ibet gemeinsam mit rund 100 Teilnehmern im Festspielhaus Bregenz auseinander.

Eine der Grundvoraussetzungen für die positive wirtschaftliche Entwicklung der Region ist die Verfügbarkeit von Betriebsflächen. „Dabei muss das Gemeinsame in den Vordergrund gestellt werden, um eine Mitte finden zu können, welche die Interessen der Wirtschaft und damit der Gesellschaft entsprechend berücksichtigt“, eröffnete Hans-Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Tagung.

Nutzen der Gesellschaft im Fokus
Doch welche Rolle spielt die Kommunikation und Beteiligung der Öffentlichkeit? Prof. Dr. Frank Brettschneider, Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaft an der Universität Hohenheim, zog seine Lehren beispielsweise aus „Stuttgart 21“, dem umstrittensten Infrastrukturprojekt in Deutschland in den vergangenen Jahren. Dabei steht für ihn fest, dass immer mehr Projekte an Fehlern in der Kommunikation scheitern. „Der Nutzen eines Projektes für die Gesellschaft muss im Mittelpunkt der Kommunikation stehen, nicht die technische Seite.“

Von eben dieser technischen Seite kommt DI Martin Gradnitzer, Projektleiter der ÖBB Infrastruktur. Er setzt beispielsweise bei der Bahntrassenfindung für den Brenner-Nordzulauf auf ein Beteiligungsverfahren. „Es ist für alle Beteiligten ein Lernprozess. Wir müssen laufend daran arbeiten, die Prozesse voranzutreiben und die Bürger dabei immer zu informieren“, erläutert Gradnitzer. Auch Ulrich Arndt, Leiter der Stabstelle für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg, ist der Ansicht, dass Beteiligung heutzutage essenziell ist. Ihm geht es insbesondere darum, die wahren Beweggründe der Menschen über die Partizipation zu erfahren. Hierbei setzt er vor allem auf mediative Ansätze. „Wenn wir nur rechtliche Vorgaben abfragen, beteiligen wir an den Bedürfnissen vorbei“, erklärt Arndt.

Aktive Beteiligung
Darüber hinaus zeigten die Experten Handlungsmöglichkeiten durch Kooperation und eine an die aktuellen Herausforderungen angepasste Raumplanung auf. Dr. Joachim Heinzl, Geschäftsführer der Wirtschaftsstandort Vorarlberg Betriebsansiedlung GmbH, setzt dabei auf Baulandmobilisierung, um der zunehmenden Verknappung von Betriebsflächen entgegen zu wirken. Doch dafür müssen sich vor allem auch die Gemeinden bzw. die Regionen durch ein aktives Flächenmanagement beteiligen, betont Dr. Gerald Mathis vom ISK Institut für Standort-, Regional-, und Kommunalentwicklung: „Sie müssen den Rohstoff für ihre langfristige Entwicklung sicherstellen, worin auch ein hohes Maß an politischer Verantwortung liegt.“

Für die Kooperation zwischen den Gemeinden, insbesondere im Rheintal, setzt sich DI Sabine Danzcul, Projektleiterin von Vision Rheintal, ein. „Das Rheintal funktioniert wie eine Stadt – dafür braucht es eine professionelle, stadtadäquate Planungs- und Verwaltungskultur. Kooperationen sind ein Weg, diese Kultur in den Gemeinden zu fördern und zu festigen“, erklärt sie.

Veranstalter und Kooperationspartner
Die ibet ist ein ganztägiges Impulsforum, das brisante Zukunftsthemen mit Regionalbezug beleuchtet. Veranstalter ist die österreichische Kommunikationsberatung wikopreventk.

Kooperationspartner der ibet 2017 waren das Land Vorarlberg, die Industriellenvereinigung Vorarlberg und die Wirtschaftskammer Vorarlberg.

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